Hast du Feuer für mich?

In den letzten Tagen ereilten mich immer mehr Vorschläge und Bitte mit Themen, die ich doch in einem meiner Blogbeiträge aufgreifen könnte. Bei einem Vorschlag war ich sehr verwundert, da ich angenommen hatte, dass die chronischen Raucher in der Zwischenzeit zur österreichischen Minderheit gehören. Wie es aussieht war diese Annahme relativ naiv. Wenn man den Statistiken der letzten zwölf Monate trauen darf, rauchen noch immer 25 Prozent der Österreicher.

Der Einfluss des Rauchens auf die Mentale Gesundheit selbst ist schwer zu bestimmen. Ein genauerer Blick auf den physischen Prozess des Rauchens zeigt, dass der Zyklus von der Lungeninhalation bis zum Zeitpunkt an dem das Nikotin unser Gehirn erreicht, 10-16 Sekunden (Javis, 2004) beträgt. Davon benötigt es nur 7,5 Sekunden für den Weg selbst zwischen Lunge und Gehirn. Dies ist viel schneller als zum Beispiel eine intravenöse Injektion von Diacetylmorphin (bekannt als "Heroin"). Diese benötigt 14 Sekunden bis zum finale Ziel nach der Injektion (Warburton, 1985). Die Eliminationshalbwertszeit (EHL) von Nikotin beträgt 15-20 Minuten. Dagegen ist der EHL- Wert von Diacetylmorphin 0,8-7 Stunden. Aufgrund der kurz EHL von Nikotin, ist das Verlangen nach einer Zigarette in sehr kurzen Abständen zum letzten Konsum spürbar. Um einen Abfall des Nikotins im Blut zu vermeiden, verlangt der Körper nach einer erneuten Zufuhr. Diese können wir jetzt mit Hilfe unseres Willens, oder rechtlichen Auflagen in Flugzeugen und Büros hinauszögern, aber der Konsum der nächsten Zigarette ist gewiss. Je länger wir den Konsum hinauszögern, umsomehr haben wir das Gefühl uns mit der nächsten Zigarette dafür zu belohnen.

Simonich (1991) behauptet, dass die Begründungen für das Rauchen von Menschen in zwei unterschiedliche Kategorien aufgeteilt werden müssen. Die erste Kategorie beinhaltet die nicht-kognitiven Erklärungen (zum Beispiel die Nikotinsucht). Die zweite Kategorie inkludiert alle kognitiven Gründen, wie zum Beispiel die Gewichtskontrolle, die Hilfe bei der Entspannung, sowie die soziale Komponente. Unterschiedliche Studien betonen jedoch, dass kognitive Gründe und nicht-kognitive Gründe immer in Kombination auftreten (Orleans & Slade, 1993; Weiser et al., 2010). 

Wir hören immer wieder die negativen Aspekte des Rauchens, doch gibt es auch positive Aspekte? Es muss doch welche geben, wenn es vielen Menschen so schwer fällt, damit aufzuhören. Die Nikotinsucht ist es nie alleine, aber was steckt noch dahinter?

Biologische Aspekte
Oft hören wir, dass das Rauchen die Gesundheit gefährdet. Wir alle wissen, dass das Rauchen Lungenkrebs, Mundkrebs, periphere Arterienerkrankungen oder Parodontitis begünstigt. Aus diesem Grund sind die Produzenten auch dazu verpflichtet, die inzwischen reichlich wenig abschreckenden Warnungen auf die Zigarettenpackungen zu drucken. Die Menschen rauchen dennoch. Damit ist es an der Zeit über die positiven Aspekte des Rauchen nachzudenken. Grehoff et al. (1986) zeigen auf, dass Nikotin zu einer höheren Ausschüttung von Noradrenalin und Acetylcholin führt. Diese Ausschüttung begünstigt nachweislich die kognitive Leistungsfähigkeit. Alzheimer-Patienten zum Beispiel, produzieren nur noch wenig Acetylcholin werden müssen Acetylcholin-Hemmer einnehmen, die den Abbau dieses Botenstoffes im Körper drosseln.

Levin (1996) bestätigen dieses Ergebnis und versuchten die kognitiven Defizite von Patienten mit Schizophrenie mit der Gabe von Nikotin und Haloperidol zu reduzieren. Die Studie bestätigte die Hypothese, dass die Kombination von Nikotin und Haloperidol die kognitiven Probleme der Patienten verbesserte.

Psychologische Aspekte
Die bereits erwähnte Belohnung, die mit dem Rauchen der nächsten Zigarette einher geht hat bei mental gesunden Menschen einen positiven Effekt auf das Belohnungssystem (Spring et al., 2003). Wie bereits erwähnt, treten kognitive Gründe und nicht-kognitive Gründe für das Rauchen immer in Kombination auf. Weiser et al. (2010) zeigt in seiner Studie auf, wie kognitive und nicht-kognitive Aspekte kombiniert werden. Mehr noch, es zeigt die Akzeptanz der Kosten für das Rauchen (erhöhtes Risiko für Krankheiten, etc.) für den Erhalt der Benefits (sich besser und sicher fühlen, Aktivierung des Belohnungssystems, etc.). Harte et al. (2014) zeigten auf, dass akuter und chronischer Stress ein Auslöser für den Konsum von Zigaretten ist. Der danach laufende Effekt der Belohnung gilt als Hauptfaktor für den Erhalt der Sucht. Daraus resultiert auch die durchaus berechtigte Angst der Gewichtszunahmen, nach dem Nikotinentzug. Der Kreislauf der Belohnung wurde mit dem Entzug selbst nicht durchbrochen und ein Ersatzstoff muss her. In vielen Fällen kommt es dann zum vermehrten Verzehr von Speisen, die einen ähnlichen Belohnungseffekt erzielen.

Soziale Aspekte
Tag für Tag können wir Gruppen von Menschen beobachten, die zusammenstehen, um eine Zigarette zu rauchen. Diese Bild gehört nachwievor zu unserer westlichen Kultur und man kann sie tagsüber im Job, aber auch abends in Bars oder Diskotheken beobachten. Es scheint, als hätte das etwas mit “zu einer Gruppe gehören” zu tun. Oft habe ich erlebt, dass man bei einem beruflichen Abendessen zum Beispiel, als Nichtraucher vor der Entscheidung steht, am Tisch im Lokal sitzen zu bleiben und gelangweilt an einem Glas Wein zu nippen, oder sich zu den Rauchern vor der Tür zu gesellen und die zuvor begonnene Unterhaltung weiterzuführen. Ich mache das eigentlich auch, weil es mir schon einige Male passiert ist, dass ich wichtige Entscheidungen verpasst hatte, weil ich das Alleinsein mit einem Glas Wein bevorzugt hatte. Huismann (2014) bestätigt, dass der Mythos der Einflussnahme von Freunden nicht zu den Gründen gehört, weshalb Menschen rauchen. Es ist das Gegenteil der Fall. Die Menschen suchen sich ihren Freundeskreis nach Gemeinsamkeiten aus. De Vries et al. (2003) behaupten hingegen, dass das Rauchverhalten des Partners einen großen Einfluss auf unserer eigenes hat. Hört man jetzt auch zu rauchen, obwohl der Freundeskreis und der Partner raucht, würde das bedeuten, dass man sich in seinem sozialen Umfeld nicht mehr wohl fühlt. Hier wäre man eine Veränderung im sozialen Umfeld notwendig oder man nimmt die Rolle des ewig quengelnden Nichtrauchers ein, der seine Freunde und seinen Partner vom Nichtrauchen überzeugen möchte. Letztendlich führt dieses dann oft dazu, dass man selbst wieder zu rauchen beginnt, außer die Beziehung und Freundschaft geht gerade aus anderen Gründen ohnehin in die Brüche. In dem Fall wird oft ein neuer Partner (Nichtraucher) gesucht, der am besten auch noch einen nichtrauchenden Freundeskreis mitbringt.

Solltet ihr euch jetzt trotz der positiven Aspekte entschlossen haben, mit dem Rauchen aufzuhören, stellt sich jetzt die Frage nach dem WIE? Dieses wird wohl ein anderer Blogeintrag, in dem ich die effektivsten Methoden unter die Lupe nehmen werde.