Situationen in der Kindheit, die uns heute psychisch beeinträchtigen (Teil 2)

Bereits im letzten Beitrag bin auch auf die Problematik von traumatischen Situationen in der Kindheit eingegangen und habe fünf Situationen beschrieben, die ihre heutige Wahrnehmung von Personen und Beziehungen verzerren. Weitere fünf Situationen folgen in diesem Beitrag.

Migration/Immigration

Können sie sich vorstellen wie es ist, als Eltern(teil) einen illegalen Aufenthaltsstatus zu haben, nur weil sie sich führ ihre Familie ein besseres Leben wünschen? Gerade in den 70er und 80er Jahren sind viele Zuwanderer nach Österreich und Deutschland gekommen. Immigranten, die sich heute zu 100% in unsere Kultur eingelebt haben und deren Kinder in unserer Gesellschaft und mit unseren Werten aufgewachsen sind. Sie hatten damals keine andere Wahl, als ihr Land zu verlassen. Ihre Integration in unsere Kultur war nicht einfach und viele traumatische Situationen haben das Leben der damaligen "Gastarbeiterkinder" geprägt. Heute leben sie in zweiter und dritter Generation mit uns zusammen, doch ihre Erinnerungen an die Zeit der Integration, beeinträchtigt ihre mentale Gesundheit noch heute. Einige von ihnen haben den Krieg und seine Folgen als Kinder miterlebt und kamen voll Hoffnung in ein Land, das sie diese Bilder schnell vergessen lies. Doch es warten andere traumatisierende Situationen auf sie, die sie bis heute beeinflussen. Ich selbst hatte mit einem solchen Mädchen eine traumatisierende Situation. Ihr Ansatz war es bereits mit acht Jahren, andere zu bedrohen, um selbst nicht mehr Opfer von Gewalt sein zu müssen. Ihre Situation wurde damals falsch eingeschätzt und ihre Aggressivität ihrer Persönlichkeit zugeschrieben. Die CBT (Kognitive Verhaltenstherapie) hilft bei der Differenzierung zwischen Filtern und Persönlichkeitsmerkmalen, nicht nur den Betroffenen. 

Das ist auch ein gutes Beispiel für die Auswirkung von Erlebnissen in der Integration. Aber auch das Kategorisieren von „Einheimischen“ und „Ausländern“ und die damit verbundenen Erwartungen beeinflussen die Wahrnehmung der Betroffenen noch heute. Auch das Schwarz-Weiss-Denken kann hier als Filter genannte werden.

Verlust des Arbeitsplatzes/des Zuhauses

Entlassung, zeitnahe Kündigung oder schlicht der Pensionsantritt kann Erwachsene in Depression und Angstzustände treiben. Unsere Arbeit ist oft die Grundlage für unserer Selbstwertgefühl und unsere Selbstbestätigung. Daher kann es bei den oben genannten Situationen notwendig sein, die eigene Identität neu zu definieren. Unbezahlte Rechnungen, Pfändungen, wenig Nahrungsmittel und/oder der Verlust des Zuhauses bleiben von den Kindern nicht unerkannt. Zusätzlich zu der für sie nicht greifbaren Veränderung von nahestehenden Menschen (Eltern, Großeltern) bemerken sie schnell, dass ein finanzieller Engpass massive Lebenseinschnitte mit sich bringen kann. Diese Angst, die sie als Kind miterleben bleibt im Erwachsenenalter bestehen. Die Angst den Job zu verlieren oder aus einem anderen Grund in eine finanzielle Notsituation zu geraten lässt sie kaum Schlafen. Panikattacken und Angst sind ein ständiger Begleiter. 

Katastrophisieren ist hier wohl der häufigste Filter, der entwickelt wird, basiered auf dieser Art von traumatischen Erlebnissen. 

Entfremdung der Eltern

Sie werden mir zustimmen, dass alle Eltern grundsätzlich gute Eltern sein wollen. Eltern, die ihre Kinder weggeben bzw. deren Kinder ihnen weggenommen werden sind in unserer Gesellschaft nicht gern gesehen. Basierend auf dem emotionalen und psychologischen Trauma, das sie beim Kind damit auslösen. Kinder, die von ihren Eltern weggeben werden haben oft ein geringes Selbstwertgefühl, sie entwickeln Selbsthass und sind oft mit den traumatisierenden Bildern vor der Weggabe konfrontiert. Bilder die durch Situationen ausgelöst wurden, weil die Eltern überfordert oder gewalttätig waren. Bleibt kein Kontakt zu den leiblichen Eltern bestehen, steigt das Risiko eine posttraumatischen Belastungsstörung. 

Ein Filter, der aufgrund des reduzierten Selbstwertgefühles entstehen kann, ist der Sollte-Filter. „Ich sollte das tun, damit ich von X geliebt werde“. 

Psychische Erkrankung der Eltern

Eine schwere psychische Erkrankung und damit sind nicht Aussagen aus dem Volksmund wie "du hast einen Vogel" oder "du bist gestört" gemeint, kann für die Angehörigen traumatisierend sein. Schwere psychische Erkrankungen umfassen oft schere psychotische Verhaltensweisen wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Vergesslichkeit). Es können auch schwere Zyklen bipolarer Symptome wie Manie und Depression, Schizophrenie oder unbehandelte Depressionen das Leben eine Familie massiv beeinträchtigen. Kinder, die bei Eltern aufwachsen, deren schwere Erkrankung nicht behandelt wird, haben vermehrt Angstzustände, Rückblenden, fühlen sich unfähig etwas zu leisten, und weisen diverse psychische Beeinträchtigungen auf. Ein dominanter Elternteil mit einer Persönlichkeitsstörung wie zum Beispiel Borderline, antisoziale Persönlichkeitsstörung oder Narzissmus werden entsprechend traumatisiert. Studien zeigen auf, dass Kinder, die unter einem missbrauchenden oder instabilen Elternteil aufwachsen später häufiger Dissoziative Störungen aufweisen.

Die Dissoziation deutet schon auf den Schwarz-Weiss-Filter hin. Es ist entweder GUT oder SCHLECHT. 

Pflegeeltern oder Heimplätze

Obwohl das System der Pflegeeltern grundsätzlich heute gut überwacht wird, war dieses in den 60er-90er noch nicht der Fall. In den letzten Jahren tauchten immer wieder "Insider-Geschichten" auf, die eher einem Hollywoodfilm zuzuschreiben sind, als der Realität in unserem Land (egal ob in Österreich oder Deutschland). Es muss nicht gleich eine Geschichte mit Gewalt und Missbrauch sein, es reicht wenn Kinder in Pflegefamilien erfahren, wie es ist "anders" zu sein. Die Konsequenz daraus war oft härtere Strafen und strengere Regeln. Das Wissen, von den eigenen Eltern nicht gewollt zu sein und zusätzlich dadurch strenger erzogen zu werden ist eine Kombination, die sich später in mangelndem Selbstwertgefühl und Verlustängsten wiederfindet. Dieses hat Pflegeeltern und Kinderheime bei den Kindern in ein schlechtes Licht gerückt. Viele misshandelte Kinder ziehen ihre gewalttätigen Eltern dem Heim oder einer Pflegestelle vor. Die Konsequenz aus dieser Möglichkeit habe ich bereits im vergangenen Beitrag geschildert.

Auch hier ist wirder der Sollte-Filter zu erwähnen, aber auch das Glaskugelschauen und Generalisieren. Das Generalisieren ermöglicht die Distanzierung zu den eigenen Emotionen. 

Finden sie sich in einer der Beschreibungen wieder und leiden sie heute an Depressionen, Angstzuständen und Panikattacken? Lesen sie meinen nächsten Beitrag mit 5 Tipps, was sie tun können.